Sonntag, 6. Juli 2014

Ungeküsst-Kapitel 3

Hallo ihr Lieben,

die Woche ist so schnell verflogen! Kaum, dass man sich versieht, ist sie auch schon wieder um. Der größte Feind ist wie immer: die Zeit! Aber ich versuche wirklich immer und überall zu schreiben, auch wenn das Notizbuch herhalten muss...




Parallel schreibe ich gerade auch noch an einem anderen Projekt :-)

Nach all den Jahren der Abstinenz tut es wirklich wieder gut, kreativ zu arbeiten und meine grauen Zellen anzustrengen. Ich hoffe, ihr hattet eine schöne Woche? Das Deutschlandspiel vorgestern mit Zittern und Bangen gut überstanden?

Es ist Sonntag Mittag und nachdem ich heute morgen frische Croissants gebacken habe, sitze ich nun wie versprochen vor meinem Rechner und stelle das 3.Kapitel ein.

Übrigens, das Folkwang Museum gibt es wirklich in Essen. Hier arbeitet Lucy als Museumsführerin und hier beginnt auch unser Abenteuer.

 Nachdem die arme Lucy die Nachricht erfahren hatte, dass Ihr Mentor Professor Eickmans unter nicht geklärten Ursachen gestorben ist, öffnet das Museum nun wieder seine Pforten. Dabei trifft Lucy auf den distanzierten, aber attraktiven Polizisten Brand..


Lest hier, wie es weitergeht:

3.Kapitel

Zwei Tage später öffnete das Museum wieder seine Pforten. Gleich am Eingang wurde ich von einem Reporter der Boulevardpresse abgefangen, eine Figur mit Trenchcoat und Schlapphut, welcher mir ganz frech sein Mikro unter die Nase hielt: „Stimmt es, dass Professor Eickmans ermordet wurde? Gehörte er einem Geheimbund an? Steht der gestohlene Kelch in Verbindung mit seinem Tod?“ Geheimbund? Auf welche absurden Ideen diese Journalisten kamen, diese Sensationslust war mir äußerst zuwider. Was war bloß so faszinierend an dem Leid einer anderen Person? Ich verkniff mir ein zynisches Kommentar. Ich huschte an dem Reporter vorbei und hörte noch, wie der Sicherheitsbeamte am Eingang den Reporter zurecht wies: „Bitte belästigen Sie nicht unsere Mitarbeiter!“ Ein seltsames Gefühl beschlich mich, als ich in mein Büro ging, welches direkt neben dem Büro von Prof. Eickmans lag. Seine Tür war mit Klebeband und amtlichen Siegel versperrt, da die Polizei vermutlich den Fall noch nicht ganz abgeschlossen hatte.

Mit zittrigen Händen öffnete ich meine Bürotür und stellte fest, dass sich das Büro in dem Zustand befand, wie ich es zuletzt hinterlassen hatte. Alles beim Alten, als wäre nichts geschehen. Ich setzte mich an meinen Schreibtisch, auf dem sich die Dokumente häuften. Ordnung war noch nie meine Stärke. Und jetzt? Sonst hatte ich den Prof. immer gefragt, was zu tun war.
Gedankenverloren riss ich das Fenster auf. Es war ein grauer, wolkenverhangener Morgen und die alte Trauerweide vor meinem Fenster verlor so langsam ihre Blätter. Unmotiviert startete ich meinen PC. Während der PC hochfuhr, flitzte ich in den Flur Richtung Kaffeemaschine. In der Küche traf ich auch Daria und Christine, die mich gleich bemerkten. „Guten Morgen Lucy!“ begrüßten mich die beiden. „Hallo Ihr beiden! Wie geht es euch?“
Daria seufzte. „Nicht gut, Liebes. Wie geht es dir?“ Man sah ihr die Trauer der letzten Tage an. Sie war blass und wirkte, als hätte sie wenig geschlafen.
Dito. Der erste Tag hier ohne ihn. Ein Scheißgefühl. Vorhin hat mich ein Reporter abgefangen. Was für eine Begrüßung.“
Du hast ihm doch nichts erzählt?“ Christine schaute alarmiert, schließlich war Öffentlichkeitsarbeit doch ihre Baustelle. Blöde Kuh. Ich bereute es fast schon, die Presse nicht doch eingeweiht zu haben.
Nein, das war mir zu blöd.“
Gut so! Mit diesen Schmierfinken wollen wir nichts zu tun haben. Hinterher erfinden die noch, der Prof wäre von Außerirdischen entführt. Ich werde später noch eine offizielle Pressemeldung verfassen.“ Christine wirkte erleichtert.
Christine, du weißt sicherlich mehr als wir. Was ist mit dem Professor geschehen? Woran ist er so plötzlich gestorben?“ Diese Frage brannte mir auf der Zunge, ganz egal wie wenig ich Christine mochte.
Christine behielt ihren professionellen Gesichtsausdruck bei, als sie mir ganz kühl antwortete: „Aktuell geht die Polizei von einem Herzinfarkt aus. Nichtsdestotrotz hat der plötzliche Tod unseres beliebten Professors hier im Museum für ein erhebliches Medieninteresse gesorgt. Fragwürdig ist auch die Tatsache, dass etwa zur gleichen Zeit der Kelch, die neueste Errungenschaft des Professors, heimlich entwendet wurde und bisher verschwunden ist.“
Hat man denn gar keine Anhaltspunkte?“
Die Polizei schwebt noch im Dunklen. Sie warten noch auf die Ergebnisse aus der Pathologie, aber ob wir von den Resultaten erfahren werden, ist nicht klar. Er hat weder Frau noch Kinder hinterlassen und die Ergebnisse unterliegen den polizeilichen Ermittlungen. In erster Linie sprechen wir aber von einem Herzinfarkt, nicht von äußeren Einwirkungen.“ Sie räusperte sich.
Morgen haben wir ein internes Meeting, in dem wir die aktuelle Situation besprechen werden. Seid bitte pünktlich um 09:00 im großen Meetingraum.“ Die Königin hatte gesprochen und verschwand von der Bühne.
Es gab nur wenige Menschen, die so sehr zwischen Beruf und Gefühlen unterscheiden können. Christine gehörte zu dieser Sorte. Habe ich jemals echte Emotionen bei ihr gesehen? Miss Pokerface. Ich war mir nicht sicher. Sie behielt immer die Fassung, zeigte nie Schwäche. In erster Linie zählte bei Ihr wohl das Unternehmen, das Museum, welches sie zu einem der bedeutendsten Museen Europas machen wollte. Sicherlich überlegte sie sich schon, wie sie die Nachricht um den Professor als PR nutzen konnte. Mit ihrer grauen Bundfaltenhose, dem strengen blonden Dutt und der hochgeschlossenen weißen Bluse sah sie selbst aus wie ein Museumsstück.

Zusammen mit einem riesigen Becher Kaffee marschierte ich zurück in mein Büro. Ich überflog die neuesten Nachrichten und checkte dann meine E-Mails. 21 neue Nachrichten. Eine Anfrage von einem jungen Künstler, der seine Werke im Museum ausstellen wollte, eine Dankesnachricht von einer ansässigen Stiftung, interne Mails, in der uns Christine bat, nicht mit der Presse über den Tod des Professors zu sprechen und eine Nachricht des Professors. Was? Eine Nachricht von Professor Eickmans? Ich traute meinen Augen kaum. Datiert auf Montag, den 04.November 2013, 22:45 Uhr. Was konnte der Professor von mir gewollt haben, so kurz vor seinem Tod? Es war unheimlich die Nachricht von einem Toten zu lesen, zu wissen, dass diese Person noch lebte zu dem Zeitpunkt und dann kurze Zeit später tot war. Vielleicht waren dies die letzten Worte, die er an jemanden gerichtet hatte. Mein Herz klopfte schneller und ich spürte Panik. Nichtsdestotrotz klickte ich erwartungsvoll auf die Nachricht. Keine Bombe. Nichts war passiert. Kein Knall, ich lebte noch. Ok. Es konnte losgehen, ich war bereit.
Ich starrte wie gebannt auf den Text, die Buchstaben, die vor meinen Augen tanzten und von denen ich eine Antwort erwartete auf meine quälenden Fragen.

Liebe Frau Abendroth,
sicherlich sind Sie nun verwundert über die Nachricht so spät am Abend. Ich möchte Ihnen etwas mitteilen, da mir wahrscheinlich nicht mehr viel Zeit bleibt. Meine Verfolger sind mir auf den Fersen und ich befürchte, dass ich diesen Kampf nicht gewinnen werde.
Welche Verfolger? Ich wusste nicht, dass sich der Professor in Gefahr befand. Hatte er vielleicht mit der Mafia zu tun? Oder Drogenprobleme? Ich hatte ihn bisher immer für einen gutmütigen, alten Mann gehalten, der völlig in seiner Forschung aufging.

Wie Sie vielleicht schon vermutet haben, geht es um den Kelch. Nein, es ist nicht der sagenumwobene heilige Gral. Dieser Kelch war Artus und seinen Mannen gar nicht bekannt. Es ist der Kelch der Zarin Katharina der II.. Nicht umsonst gab man ihr den Beinamen „die Grausame“. Sie besiegelte das Schicksal vieler tausender Menschen und man sagte ihr nach, dass sie sogar in Blut badete. Manche gehen sogar so weit, sie als Braut des Bösen zu bezeichnen. Aus diesem Kelch trank sie Blut, um das unsterbliche Leben zu erlangen. Offiziell starb sie 1796 an einem Schlaganfall. Andere Quellen sagen, sie sei hingerichtet worden, wieder andere vermuten, dass sie unsterblich geworden ist.
Wie dem auch sei, der Kelch soll der Sage nach demjenigen, der daraus Jungfrauenblut trinkt, ewige Macht und Stärke verleihen. Und wer könnte mehr auf ewige Macht hinaus sein als die Vampire? Nicht umsonst musste ich bis nach Sibirien reisen, um den Kelch zu finden. Ich spüre, dass sie meine Fährte aufgenommen haben. Mir bleibt nicht mehr viel Zeit..

Für den Fall, dass ich es Ihnen nicht mehr persönlich mitteilen kann, möchte ich mich bei Ihnen bedanken.

Sie sind die beste und intelligenteste Studentin, die ich jemals hatte, liebe Frau Abendroth. Sie sind stets wissbegierig, immer höflich und hilfsbereit. Es tut mir leid, wenn ich manchmal etwas zu streng mit Ihnen war. Sie werden Ihren Weg in dieser turbulenten Welt finden. Seien Sie nicht zu ernst und genießen auch einmal die schönen Dinge des Lebens, wie z.B. einen Sonnenaufgang, einen guten Rotwein oder eine lustige Partie mit Freunden. Igeln Sie sich nicht ein, auch wenn Bücher Ihre besten Freunde sind. Halten Sie die Augen offen und finden Sie einen Mann, der Sie liebt. Vielleicht ist Ihnen das jetzt zu persönlich, aber lassen Sie sich einige Ratschläge von einem erfahrenen Mann geben. Nehmen Sie es mir bitte nicht übel.

Ich möchte, dass Sie mir helfen. Zu einem späteren Zeitpunkt werde ich mich wieder bei Ihnen melden. Bitte kontrollieren Sie Ihre E-Mails regelmäßig und löschen die eben gelesene Nachricht von mir. Danke.

Die Nachricht des Professors warf mehr Fragen als Antworten auf. Da es sein letzter Wille war, überflog ich noch einmal die E-Mail und versuchte mir den Inhalt wortwörtlich einzuprägen. Dann löschte ich die E-Mail und leerte auch gleich den virtuellen Papierkorb. Was hatte der Professor bloß mit Vampiren gemeint? Es waren doch nur Fabelwesen. Untote, welche sich vom Blut lebender Menschen ernährten und mit Knoblauch vertrieben werden konnten. Graf Dracula aus Rumänien, welcher Schlafenden das Blut aussaugt. Wahnsinnig gefährlich. Oder die neue 2.0 Generation der Vampire á la Twilight, das „schwache Frau-starker Mann“-Thema funktionierte schon immer. Ob der Professor wohl im Fieberwahn oder im Drogenrausch war? Im Übrigen fand ich nicht, dass ich sehr introvertiert und ernst bin. Ich war nicht darauf versessen, im Mittelpunkt zu stehen, aber das war eben ich. Das Kompliment vom Prof. überraschte mich sehr und machte mich zugleich stolz, denn meine Eltern waren immer darauf bedacht gewesen, mir nicht zuviel Zuneigung und Lob zu zeigen. Plötzlich klopfte jemand energisch gegen meine Tür.
Unsanft wurde ich aus meinen Erinnerungen gerissen. Aus einem Impuls heraus schloss ich Outlook.

Ja?“ Die Tür wurde geöffnet.
In meiner Türschwelle stand der Polizist, den ich gestern angerempelt hatte. Hoffentlich hatte er das kleine Missgeschick schon wieder vergessen.
Frau Abendroth?“
Das bin ich.“ Etwas Bescheuerteres hätte ich wohl kaum sagen können.
Mein Name ist Brand Müller von der Kripo Essen. Darf ich Ihnen einige Fragen bezüglich des Falles stellen? Wir befragen momentan alle Personen, die im Kontakt zu Professor Eickmans standen.“ Wie im Film streckte er mir seine Polizeimarke entgegen
Als ob mir eine andere Wahl bliebe. Der Mann war riesig, seine Arme so dick wie meine Oberschenkel. Heute trug er eine graue Stoffhose und einen schwarzen Kaschmirpullover. In seinen Händen hielt er ein Samsung Tablet der neuesten Generation inklusive eines Stiftes. So so, die Polizei ging also mit der Zeit, altmodische Notizblöcke hatten anscheinend ausgedient.
Natürlich. Setzen Sie sich doch.“ Ich wies auf den Besucherstuhl vor meinem Schreibtisch. „Möchten Sie einen Kaffee?“
Gerne. Mit zwei Stück Zucker, bitte.“
Kommt sofort.“
Erleichtert ging ich aus dem Büro den Flur hinunter bis zur Kaffeemaschine. Während die Bohnen mahlten, versuchte ich mich zu entspannen. Wieso brachte mich der Polizist so aus dem Konzept? Weil ich ihn einmal umgerannt hatte? Wegen der Mail, die mir Eickmans geschrieben hatte und über die ich auf jeden Fall Stillschweigen bewahren musste? Oder waren es diese grünen Augen, die funkelten wie ein Smaragd und mich wie magisch anzogen?
Ich legte zwei Stück Zucker und einen kleinen Löffel auf den Unterteller neben die Tasse und lief damit zurück ins Büro.
Hier, bitte.“ Mit leicht zitternden Händen stellte ich die Tasse auf dem Schreibtisch ab.
Danke.“ In aller Seelenruhe beförderte er seine Zuckerwürfel in den Kaffee und rührte ihn um. Seine Bewegungen wirkten im Gegensatz zu seiner mächtigen Figur sehr elegant. Die durchtrainierten Muskeln waren durch den Pulli zu erkennen. Sein Blick schweifte anerkennend durch mein Büro, bis er plötzlich seine Aufmerksamkeit auf mich richtete.
Ich fühlte mich reichlich unbehaglich. Dabei sollte ich mich doch sicher fühlen, verdammt. Die Polizei, dein Freund und Helfer.
Ein sehr schönes Büro haben Sie.“
Danke. Es ist zwar eher zweckmäßig, aber es ist meins. Ich kann in Ruhe arbeiten.“
Seit wann arbeiten Sie für Professor Eickmans?“
Seit drei Jahren. Zuerst als studentische Hilfskraft und dann nach Abschluss meines Studiums als wissenschaftliche Mitarbeiterin. Einerseits bin ich für die Forschung zuständig, andererseits führe ich Gruppen durch das Museum. Mir gefällt die Kombination aus Theorie und Praxis.“
Sein durchdringender Blick machte mich nervös. Ich nahm einen Schluck von meinem Kaffee. Mist, denn er war bereits kalt. Tapfer schluckte ich ihn hinunter.
Inwieweit haben Sie dabei mit Professor Eickmans zusammengearbeitet?“
Er war mein direkter Vorgesetzter und Betreuer meiner Promotion. Er hat mir viele wertvolle Tipps und Hilfestellung gegeben. Außerdem unterstützte ich ihn bei seiner täglichen Arbeit, ich kontaktierte z.B. andere Museen oder recherchierte nach möglichen Ausstellungsstücken.“ Er schaute interessiert.
Wie weit sind Sie mit Ihrer Doktorarbeit?“ Die Frage, die meine Eltern jede Woche stellten und der Moment, in dem ich bereute, sie besucht zu haben.
Ich bin noch in der Planungsphase. Schließlich ist die Geschichte des byzantinischen Reiches ein sehr komplexes Thema.“ Noch mehr Salz in meine offene Wunde? Könnten wir vielleicht mal das Thema wechseln?
Er verkniff sich ein Lächeln. Irgendwie war er mir sympathisch.
Sind Ihnen in letzter Zeit Auffälligkeiten bei Professor Eickmans aufgefallen? Hat er sich verändert?“
Nein, nichts. Er war sogar ganz euphorisch wegen seinem Kelch! Seine Arbeit hat ihn glücklich gemacht. Familie hatte er keine und er ging ganz in seiner Arbeit auf. Niemand konnte ihm böse sein. Er hatte keine Feinde. Zumindest keine, von denen ich wüsste.“ Die merkwürdige E-Mail verschwieg ich. Diese Antwort schien ihn nicht zufrieden zu stellen. Er bohrte weiter.
Sie erwähnen den Kelch der Zarin Katharina II. Hat er Ihnen etwas über die Bedeutung des Kelches mitgeteilt und unter welchen Umständen er diesen Kelch fand?“ Sah ich da einen Funken von Anspannung in seinem Gesicht?
Ich überlegte. „Es war ein äußerst schwieriges Unterfangen. Insgesamt war er fast 6 Monate unterwegs. Wann er genau mit seinen ersten Nachforschungen angefangen hatte, weiß ich nicht. Dieser Kelch war sozusagen sein Lebenswerk. Das letzte Semester nutzte er als Forschungssemester. Erst suchte er in Russland und Sibirien- erfolglos. Keine seiner Quellen erwies sich als richtig. Fündig wurde er schließlich in einem kleinen Dorf in Rumänien. Über die genauen Umstände, wie und wo, ist mir nichts bekannt.“
Hat der Professor nichts gegenüber Ihnen erwähnt?“
Nein. Was die Details angeht, hielt er sich immer recht bedeckt. Ich nehme an, er hat den Kelch bei einer Ausgrabung gefunden. Warum ist der Kelch von so großem Interesse für Sie?“
Wir müssen die genaue Todesursache des Professors herausfinden. Bisher sieht es nicht nach einem natürlichen Tod aus. Eickmans war mit seinen 62 Jahren relativ fit für sein Alter. Da zeitgleich der Kelch geraubt wurde, deutet alles auf einen Zusammenhang hin.“
Meinen Sie, Eickmans wurde ermordet, vielleicht sogar wegen dem Kelch?“
Das ist eine Vermutung. Es ist nicht auszuschließen. Fällt Ihnen noch
etwas ein?“
Ich schaute Ihn an. Seine Wangenknochen waren wie gemeißelt. Meine Gedanken schweiften ab.
Nein, mir fällt nichts mehr ein. Ich hoffe, ich konnte Ihnen weiterhelfen.“
Nun denn.“ Er richtete sich auf und übergab mir eine Visitenkarte. „Wenn Ihnen noch etwas einfallen sollte, kontaktieren Sie mich einfach. Jederzeit.“ Als er mir sein Kärtchen gab, berührten sich unsere Hände. Seine Hand war ganz kühl und fast so groß wie eine Pranke. Schnell zog er seine Hand zurück, als hätte er sich verbrannt.
Danke. Und wenn Sie mich noch etwas fragen möchten, Sie wissen ja, wo Sie mich finden! Ich bin hier!“ bot ich weiterhin meine Hilfe an.
Er verabschiedete sich und verließ mein Büro. Schade. Mit so einem gutaussehenden Mann hätte ich mich gerne noch länger unterhalten. Zurückgelassen hatte er nur den Hauch seines After-Shaves, welches mich schier wahnsinnig machte.

Doch ich musste mich noch auf meine nächste Gruppe vorbereiten, welche morgen Nachmittag eintreffen sollte, wenn das Museum auch für Besucher geöffnet war. Ich entsorgte meinen kalten Kaffee im Waschbecken und lief am Foyer vorbei zu den Ausstellungsräumen. Schnurstracks zog es mich zu der Stelle, an dem der Kelch ausgestellt war. Die Spurensuche war hier bereits abgeschlossen, damit der Betrieb so schnell wie möglich weitergehen kann. Sämtliche Krümel und sämtliche Fingerabdrücke wurden von den Experten aufgenommen. Die Vitrine des Kelches war leer.
Der Kelch, nach dem Prof. Eickmans sein ganzes Leben lang gesucht hatte. Gedankenverloren ließ ich meine Hand auf die Vitrine sinken. Wie konnte hier nur jemand unbemerkt einbrechen und den Kelch stehlen?
Die gegenüberliegende Wand aus Sandstein verschwamm vor meinen Augen. Als ich meinen Blick wieder schärfte, erregte eine kleine Unebenheit meine Aufmerksamkeit. Ich lief zur Wand. Was war das nur? Ein Loch? Meine Hand tastete sich die Wand entlang. Tatsächlich, ein kleines Loch. Aus Neugierde fühlte ich in das Loch hinein. Nichts. Ich fühlte etwas weiter nach rechts und stieß auf einen Widerstand. Mit einiger Mühe gelang es mir, den Gegenstand herauszuziehen. Es war eine Pergamentrolle. Unauffällig ließ ich die Pergamentrolle in die Innentasche meines Jacketts wandern. 

Ihr möchtet wissen, wie es weitergeht? Dann sehen wir uns nächsten Sonntag wieder hier :-)

 Wie gefällt euch Lucy bisher? Könnt ihr euch mit ihr identifizieren?

Ich freue mich über eure Kommentare!
Eure Mo 

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